Die Streikglocke

Um seine Arbeiterschaft pünktlich am Arbeitsplatz zu haben, liess Egydius Trümpy im Jahr 1837 im Turm seiner Stoffdruckerei „Schloss“ in Glarus eine Glocke aufhängen. Der Inhaber und Patron der Fabrik liess sie dann von Montag bis Samstag jeweils um sechs Uhr morgens und um sechs Uhr abends läuten. Wer von seinen rund 600 Arbeitern nicht zur Zeit am Arbeitsplatz war, dem wurde die Hälfte des Taglohnes gestrichen. Der Lohn reichte aber kaum aus, um eine Familie zu ernähren. So hatten damals die Arbeiter zu Hause auch einen Gemüsegarten und einige Ziegen zu pflegen. Der Fussmarsch nach Glarus betrug für viele mehr als eine Stunde – und manchmal kamen einige deshalb zu spät zur Arbeit. Die Bevormundung durch das Glockenläuten ging den Arbeitern nun zu weit! So kam es vor 180 Jahren in Glarus zum europaweit allerersten Streik.
 
Kaspar Freuler verfasste über diese Ereignisse ein Theaterstück, das 1961 in Glarus uraufgeführt wurde. Nun bringt das Theater Glarus eine überarbeitete, historisch fundierte Fassung auf die Bühne.